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Hebeanlagen: Die clevere Lösung für effiziente Entwässerung

Innerhalb der eigenen vier Wände zusätzlichen Raum zu erschließen und Nachrüstungen vorzunehmen, ist heutzutage gang und gäbe. Vor allem bei Hang-Grundstücken, im Keller oder im Souterrain ist dabei oftmals eine Hebeanlage für WC, Dusche und Waschmaschine nötig, damit das Wasser ungehindert abfließt und Überschwemmungen vermieden werden können. Was genau eine Hebeanlage ist, wie sie funktioniert und welche verschiedenen Arten es gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.
 

1. Wann ist eine Hebeanlage notwendig?

In vielen Haushalten wird Abwasser, das durch WC, Urinal, Bidet, Waschbecken oder Haushaltsgeräte entsteht, über ein Gefälle abgeleitet und fließt von dort in die Kanalisation und weiter bis zum Klärwerk. Hier übernimmt die Schwerkraft die Hauptarbeit, denn wenn ein freies Gefälle oder wenigstens eine waagerechte Ablaufrichtung mit leichtem Gefälle gegeben ist, sucht sich das Wasser ganz automatisch seinen Weg. Wann braucht man also eine Hebeanlage? Technische Unterstützung ist dort gefragt, wo ein solches Gefälle nicht vorhanden ist, um einen Rückstau des Abwassers zu vermeiden. Bauherren, die bergab bauen und ein Einfamilienhaus mit Hanglage planen, kennen dieses Problem gut. Auch im Keller oder im Souterrain erfordern fehlende Gefälle oftmals die Installation einer Hebeanlage, wenn sich hier Badezimmer, Waschküchen oder der Hauswirtschaftsraum befinden.

Das Problem: Rückstau

Ist ein natürliches Gefälle vorhanden, reicht es meist aus, einen Rückstauverschluss zu installieren, der das Eindringen von Wasser ins Haus verhindert. Überall, wo der Kanal höher liegt als die Ablaufstelle, ist eine Abwasser-Hebeanlage notwendig. Diese fungiert gleichzeitig auch als Rückstausicherung. Die Rückstauebene ist ein wichtiger Parameter bei Hebeanlagen, denn sie markiert den maximalen Wasserstand an einer bestimmten Stelle eines Kanalsystems – das bedeutet, sie markiert die höchste Ebene, bis zu der das in der Entwässerungsanlage befindliche Wasser ansteigen kann. Meist geht man hierbei von der Straßenoberkante aus, an der sich die Anschlussstelle des Entwässerungskanals befindet, der für die Grundstücksentwässerung zuständig ist. Bei Hanggrundstücken können die Werte aber zum Teil stark vom Straßenniveau abweichen, weshalb man sich am besten bei der zuständigen Behörde direkt über die vor Ort geltende Rückstauebene informiert.

 

 
 
 
Durch einen Rückstau gelangt Abwasser zurück ins Haus und beschädigt dort nicht nur das Inventar und die Bausubstanz. (Foto: epr/ACO Hochbau)
 

Probleme entstehen also dort, wo die Ablaufstelle für Abwasser unter eben dieser Rückstauebene liegt, wie z. B. im Keller eines Hauses oder in Souterrain-Wohnungen. Durch Starkregen, Überschwemmungen oder Verstopfung kann es im Kanalsystem zu Überlastung kommen und das Wasser staut sich bis zur Straßenoberkante – bei dem so entstehenden Rückstau wird Abwasser über die bestehenden Abwasserleitungen vom Kanal aus in die Grundstücksentwässerung und somit zurück ins Gebäude gedrückt. Das kann zu Überschwemmungen von Innenräumen führen, wobei das austretende Abwasser auch Mobiliar und Bausubstanz nachhaltig schädigen kann sowie die Bildung von Schimmel begünstigt. Zudem ist eine Trockenlegung immer auch mit Kosten verbunden und wenn das Rückstau-Problem nicht behoben wird, droht spätestens beim nächsten Starkregen ein erneuter Wassereintritt.

Die Lösung: Hebeanlagen

Automatisch arbeitende Hebeanlagen pumpen das Wasser auf ein höherliegendes Niveau und leiten es rückstausicher ab. Sämtliches Abwasser, das unterhalb der Rückstauebene durch die Benutzung von WC, Dusche & Co. anfällt, wird also durch eine Hebeanlage über die Rückstauebene gepumpt, von wo aus es ordnungsgemäß ins öffentliche Entwässerungsnetz fließen kann. Die Pumpleistung ist deshalb ein entscheidender Faktor bei der Wahl der richtigen Hebeanlage. Sie muss ausreichend hoch sein, um die notwendige Förderhöhe erreichen und Abwasser bei Bedarf auch über weite Strecken befördern zu können, beispielsweise bei großen Grundstücken, bei denen der Anschluss ans Kanalnetz weiter entfernt liegt. Nur so können eine einwandfreie Funktion der sanitären Ausstattung und ein dauerhafter Schutz vor weiteren Überschwemmungen gewährleistet werden.


2. Was ist eine Hebeanlage und wie funktioniert sie?

Egal ob man im Dachgeschoss zusätzlichen Wohnraum erschließen, im Keller nachträglich ein Gäste-WC einbauen oder im Badezimmer für barrierefreie Duschlösungen sorgen möchte: Abwasser, das bei der Benutzung von Toiletten, Waschbecken, Duschen, Waschmaschinen oder Geschirrspülern entsteht, muss über die Abflussrohre wieder in die Kanalisation gelangen können. Wird eine Neuinstallation oder Umrüstung in Bestandsbauten geplant, ist oftmals das notwendige Gefälle nicht gegeben, welches das Abwasser benötigt, um automatisch abfließen zu können. Das ist die Stelle, an der Hebeanlagen ins Spiel kommen und wertvolle Unterstützung bieten. Hebeanlagen sind kleine Hauswasserwerke, die speziell zur Entsorgung des Abwassers konzipiert sind.

So funktioniert's:

Durch Zulaufrohre der Hebeanlage wird das Abwasser bei Benutzung von WC, Waschmaschine & Co. vom Haus aus in den Tank der Hebeanlage befördert, wo es sich sammelt und zwischengespeichert wird. In diesem Sammelbehälter befindet sich auch die Fördereinrichtung, meistens in Form einer Pumpe. Spezielle Sensoren bzw. Sonden im Inneren des Tanks überwachen dabei fortlaufend den aktuellen Wasserstand.

Sobald der Tank voll ist, wird die Pumpe automatisch aktiviert, pumpt das Wasser nach oben und befördert es über die Höhe der Rückstauebene. An dieser Stelle – entweder auf gleicher Höhe mit der Rückstauebene oder kurz darüber – kommt dann ein reguläres Abflussrohr zum Tragen, durch welches das Abwasser dank vorhandenem Gefälle von alleine mittels Schwerkraft abfließen kann.

Auf diese Weise wird schließlich das Abwasser über eine Rückstauschleife zurück in den Kanal geleitet und von dort weiter zum Klärwerk transportiert.


 
Hebeanlagen gibt es für verschiedene Einsatzzwecke. (Foto: Grundfos GmbH)

3. Welche Arten von Hebeanlagen gibt es?

Je nach gewünschtem Einsatzbereich gibt es verschiedene Arten von Hebeanlagen. Doch welche ist die richtige für mich? Grundlegend ist, ob die Anlage zur Beförderung von Schwarzwasser (fäkalienhaltiges Wasser) oder Grauwasser (fäkalienfreies Abwasser) genutzt wird. Hebeanlagen nach DIN EN 12050-1 sind für die Entsorgung von Fäkalwasser geeignet, Hebeanlagen nach DIN EN 12050-2 sind auf Grauwasser ausgelegt. Kleinhebeanlagen sind gemäß DIN EN 12050-3 auf einen Raum und die Entwässerung von maximal vier Sanitärobjekten (WC, Waschtisch, Dusche, Bidet) begrenzt.
 
Installiert wird eine Hebeanlage entweder im Keller des Hauses oder in einer Grube bzw. einem Schacht auf dem Grundstück, moderne (Hybrid-)Hebeanlagen sind auch zur freien Aufstellung geeignet. Kleinhebeanlagen sind besonders platzsparend und können direkt in Badezimmer, Hauswirtschaftsraum oder Küche verbaut werden. Dabei stehen je nach System eine Vor- oder Hinterwandinstallation zur Auswahl, kleine Anlagen können auch direkt hinter das WC oder unter das Waschbecken gestellt werden.

3.1 Hebeanlagen für WCs

Fäkalienhebeanlagen – auch Schwarzwasserhebeanlagen genannt – werden meist in einer Grube oder einem Schacht auf dem Grundstück installiert, entweder innerhalb oder außerhalb des Gebäudes. Da dieses Abwasser Fäkalien enthält, müssen zusätzliche Maßnahmen zur Geruchsvermeidung getroffen werden.

WC-Hebeanlagen verfügen daher über einen geschlossenen, gas- und wasserdichten Behälter mit Entlüftung. In diesem Sammelbehälter wird das Abwasser zwischengespeichert und anschließend in die Kanalisation gepumpt. Die Entlüftung erfolgt in der Regel über das Dach.

Viele Modelle sind mit einem integrierten Schneidwerk ausgestattet. Dieses zerkleinert Feststoffe wie Fäkalien, Toilettenpapier und langfaserige Bestandteile vor dem Abpumpen. Schneidwerke verursachen zwar eine gewisse Geräuschentwicklung, sind jedoch besonders sinnvoll, wenn lange Förderstrecken oder Druckleitungen mit geringem Durchmesser überwunden werden müssen.

3.2 Hebeanlagen für Duschen

Schmutzwasserhebeanlagen kommen ausschließlich bei Grauwasser zum Einsatz, also beispielsweise bei Dusch- oder Badewasser. Gerade im Zuge barrierefreier Badgestaltung sind sie eine praktische Lösung.

In vielen Bestandsgebäuden sind die vorhandenen Abwasserleitungen auf hohe Duschtassen ausgelegt. Wird der Duschboden abgesenkt, fehlt häufig das notwendige Ablaufgefälle. Eine Hebeanlage pumpt das Duschwasser aus einem bodennahen Sammelbehälter in die höher gelegene Abwasserleitung, von wo es im Freigefälle weiter abfließen kann.

Im Vergleich zu Fäkalienhebeanlagen sind Grauwasseranlagen wartungsfreundlicher. Sie müssen nicht in einem Schacht versiegelt werden, lassen sich mit einem dichten Deckel verschließen und benötigen in der Regel keine separate Entlüftung.

3.3 Hebeanlagen für Waschmaschinen

Wie bei Duschen, Badewannen oder Spülmaschinen kommen bei Waschmaschinen ebenfalls Grauwasserhebeanlagen zum Einsatz. Sie arbeiten ohne Zerkleinerer oder Schneidwerk und sind daher in Anschaffung und Wartung meist kostengünstiger. Voraussetzung ist, dass ausschließlich fäkalienfreies Abwasser gefördert wird.

3.4 Hebeanlagen für Wohnwagen

In Wohnwagen und Campern werden häufig Chemietoiletten verwendet. Eine umweltfreundliche Alternative sind Fäkalientanks mit Zerhackerpumpe. Diese funktionieren ähnlich wie eine Hebeanlage: Beim Spülvorgang wird der Toiletteninhalt mit Wasser vermischt, zerkleinert und in einem Tank gesammelt. Das flüssige Abwassergemisch lässt sich anschließend einfach und hygienisch entsorgen.

3.5 Kleinhebeanlagen und Mini-Hebeanlagen

Klein- und Mini-Hebeanlagen sind speziell für den Einsatz in Privathaushalten konzipiert und können sowohl für Grau- als auch für Schwarzwasser verwendet werden. Sie eignen sich besonders bei nachträglichen Sanierungen, etwa beim Einbau eines zusätzlichen Badezimmers, wenn kein ausreichender Platz für herkömmliche Abwasserleitungen vorhanden ist.

Dank ihrer kompakten Bauweise lassen sich diese Anlagen in Vorwandinstallationen integrieren oder direkt hinter dem WC beziehungsweise unter dem Waschbecken platzieren. Dadurch bleiben sie platzsparend und optisch unauffällig. Auch anschlussfertige Kompakt-WCs mit integrierter Kleinhebeanlage sind mittlerweile erhältlich.

Aufgrund der geringeren Baugröße ist die Förderleistung im Vergleich zu größeren Hebeanlagen begrenzt. Modelle für fäkalienhaltiges Abwasser sind meist mit einem Schneidwerk ausgestattet und daher etwas lauter im Betrieb.

 

Soll eine Kleinhebeanlage mit begrenzter Verwendung installiert werden, müssen einige Vorgaben beachtet werden:

  • die anzuschließenden Sanitäreinrichtungen müssen sich im selben Raum befinden
  • maximal vier Sanitärobjekte für den Direktanschluss: ein WC, ein Waschbecken, eine Dusche, ein Bidet
  • Nutzung nur durch überschaubaren Personenkreis
  • es muss ein weiteres WC über der Rückstauebene vorhanden sein
Geschirrspüler, Küchenspüle oder Waschmaschine können demnach nicht über eine herkömmliche Kleinhebeanlage entwässert werden. Der Grund dafür liegt in ihrer spezifischen Konstruktion: Das Abwasser wird direkt abgeleitet und nicht in einem Sammeltank zwischengespeichert, wodurch die Anlagen nicht für hohe Zulaufmenge oder einen Dauerbetrieb ausgelegt sind.

4. Regelmäßige Wartung

Egal, für welche Hebeanlage man sich entscheidet: Eine regelmäßige Wartung ist wichtig, denn sie garantiert nicht nur einen reibungslosen und sicheren Betrieb, sondern verlängert auch die Lebensdauer der Anlage. Öle, Fette, Schmutz – im täglichen Betrieb werden Hebeanlagen mit verschiedensten Verunreinigungen konfrontiert. Wenn diese Ablagerungen sich über einen langen Zeitraum in der Anlage absetzen, droht nicht nur eine Funktionsminderung, sondern auch das Risiko für dauerhafte Beschädigungen. Wer kein Wartungsprotokoll vorlegen kann, bleibt im Schadenfall bei der nächsten Überschwemmung oder Starkregen sogar auf den Kosten sitzen, denn die Versicherungsgesellschaft kann in diesem Fall die Haftung verweigern. Für Privathaushalte reicht ein jährlicher Wartungsrhythmus aus. Gerade in Zeiten, in denen Wetterextreme immer häufiger vorkommen, lohnt es sich also, die Hebeanlage regelmäßig durch den Fachmann prüfen zu lassen. Denn die Reparaturkosten oder gar ein Komplettersatz im Schadenfall übersteigen diejenigen einer jährlichen Wartung deutlich.

 

 

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