Vom Bagger bis zur Wärmepumpe, wie moderne Baumaschinen den Hausbau verändern
Wer heute ein Haus bauen oder sanieren lassen will, bekommt es auf der Baustelle mit einer hoch technisierten Welt zu tun, wie sie vor zehn oder zwanzig Jahren noch nicht denkbar war: Elektrische Minibagger arbeiten in Wohnstraßen, digitale Vermessungssysteme ersetzen den Zollstock und die Schnur, Kräne werden via Tablet gesteuert. Nicht nur große Bauunternehmen sind betroffen, auch Bauzeit, Kosten und Umweltbilanz privater Projekte werden direkt beeinflusst.
Elektrische Baumaschinen halten Einzug in die Wohnbaustelle
Der auffälligste Wandel ist der Antriebswandel. Hersteller stellen inzwischen ein ganzes Programm akkubetriebener Baumaschinen zur Verfügung, vom Rüttelplatte und Stampfer über Mini- und Kompaktbagger bis zum Radlader. Bei der letzten bauma in München, der weltweit größten Fachmesse für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen und Baufahrzeuge, waren über 300 elektrische Maschinenmodelle vertreten. Das ist für Wohngebiete wichtig, weil elektrische Antriebe erheblich leiser und lokal ohne Abgase arbeiten. Nach Angaben der Hersteller liegt der Schalldruckpegel eines elektrischen 2,5-Tonnen-Baggers etwa 8 bis 10 dB unter dem eines entsprechenden Dieselmodells, was sich anfühlt wie die Hälfte der Lautstärke.
Das bedeutet für Bauherren: Genehmigungen für Arbeiten in Randzeiten sind einfacher zu bekommen, Konflikte mit Nachbarn nehmen ab, in Städten mit Umweltzonen entfallen zusätzliche Auflagen. Auch Arbeiten im Inneren teilsanierter Gebäude wie etwa beim Abbruch eines Estrichs oder beim Aushub im Keller sind ohne Abgasabsaugung möglich. Die Anschaffungspreise liegen zwar 30 bis 60 Prozent über Vergleichsmaschinen mit Dieselmotoren, aber laut Analysen des VDMA liegen die Betriebskosten pro Stunde um 40 bis 70 Prozent darunter.
Digitale Baustelle, genaue Ergebnisse
Neben dem Antrieb hat sich auch die Steuerung der Maschinen gewandelt. Mit GNSS arbeiten auch Maschinensteuerungen, die so genannte 3D-Maschinensteuerung, das heißt, ein Baggerfahrer kann den Aushub für eine Bodenplatte oder Keller auf zwei bis drei Zentimeter genau umsetzen, ohne dass ein Vermesser vor Ort Höhen und Kanten kontrolliert. Grundlage ist ein digitales Geländemodell, das mit den Planungsdaten des Architekten verknüpft wird. Fehler beim Aushub, die früher mit großen Mengen Magerbeton oder Verfüllmaterial aufwendig ausgeglichen werden mussten, treten seltener auf.
Building Information Modeling (BIM) ist auf privaten Baustellen angekommen. Kleinere Handwerksbetriebe arbeiten zwar selten mit vollständigen 3D-Modellen, doch auch die Weitergabe von IFC-Dateien zwischen Architekten, Statikern, Haustechnikplanern und ausführenden Firmen wird bei Neubauten immer gängiger. Für Bauherren rechnet sich das, wenn Kollisionen zwischen Lüftungskanälen, Heizungsleitungen und tragenden Bauteilen gleich am Bildschirm festgestellt werden, statt später auf der Baustelle. Studien der Deutschen Bauindustrie beziffern das Einsparpotential durch konsequenten BIM-Einsatz auf 5 bis 15% der Bausumme.
Wärmepumpen, Solar und die Baumaschinentechnik
Auf den ersten Blick haben Wärmepumpe und Bagger nichts gemein. Wer jedoch näher hinsieht, erkennt, dass die Elektrifizierung der Baumaschinen und die Elektrifizierung der Gebäudetechnik technisch verwandt sind. Beide Zweige benötigen leistungsstarke Lithium-Ionen-Speicher, robuste Leistungselektronik und intelligente Steuerungen. Die Fortschritte in der Batteriezellchemie, beispielsweise bei LFP-Zellen mit hoher Zyklenfestigkeit, sind für die mobilen Baustellenstromspeicher ebenso nutzbar wie für die stationären Heimspeicher.
Baustellenstromspeicher, auf Fachmessen immer mehr in Mode kommenlassen, ersetzen oft den klassischen Dieselgenerator. Ein mobiler Speicher mit 30 bis 100 kWh Kapazität versorgt einen Arbeitstag lang die Bodenplatte mit Strom, wird nachts ganz harmlos über einen normalen Netzanschluss geladen, arbeitet emissionsfrei. Bauherren mit eigenem PV-Dach profitieren sogar noch mehr: Nach dem Bau lassen sich gleichartige Speicherbauten zur eigenen Versorgung verwenden, oft wieder mit denselben Batteriemodulen.
Was sich Bauherren merken können
Beim Auswahlverfahren für einen Bauunternehmer oder Rohbauer lohnt es, gezielt nach dem Maschinenpark zu fragen. Betriebe, die in elektrischen Kompaktmaschinen investiert haben, arbeiten in dicht bebauten Lagen in der Regel reibungsloser und flexibler. Zertifikate wie ISO 14001 für Umweltmanagement oder eine Mitgliedschaft in Verbänden mit klaren Qualitätsvorgaben wie dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes geben Hinweise auf den technischen Stand eines Unternehmens.
Bei der Angebotsprüfung sollten folgende Fragen gestellt werden:
- Welche Maschinen kommen für Aushub, Verdichtung und Materialtransport zum Einsatz?
- Gibt es eine 3D-Maschinensteuerung oder wird klassisch vermessen?
- Wie wird der Baustrom bereitgestellt, mit Netzanschluss, Generator oder Baustellenspeicher?
- Liegen Planungsdaten im digitalen Format vor, das an alle Gewerke verteilt wird?
Wer diese Fragen stellt, sieht schnell, ob ein Betrieb Schritt hält mit dem technologischen Wandel oder noch auf jahrzehntelang bewährten Verfahren beharrt. Das beeinflusst nicht nur Bauzeit und Endpreis, sondern auch die Qualität des fertigen Gebäudes und die spätere Verknüpfung zwischen Baustelle und Gebäudetechnik, vom fertig verlegten Erdwärmekollektor bis zur vorbereiteten Anbindung der Wallbox in der Garage.
Ab.Pr.
